Full text: Evangelisches Schulblatt - 51.1907 (51)

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Zur Reform des LatechiSmusunterrichtS. 
Von Rektor p. Trarbach in Elberfeld. 
(Schluß). 
III. wie soll denn der ttatechismurunterricht in der Volksschule 
erteilt werden? 
Da der Katechismus abstrakte Lehrdarstellungen enthält, so muß er wie 
jede Lehre in allen Fächern ohne Ausnahme an konkreten Stoffen veranschaulicht 
werden; jedes Ausgehen von der Lehre, vom Katechismustext, führt zum Verba 
lismus. Wenn es unsinnig ist, die Sätze der Naturlehre lernen zu lassen, ohne 
sie an Vorgängen und Versuchen zu erklären, wenn es verkehrt ist, fertige Urteile 
über Personen dem Schüler beizubringen, so ist es ebenso unsinnig, im Religions 
unterricht Begriffe mitzuteilen, ohne sie an konkreten Stoffen veranschaulicht zu 
haben. — Der konkrete Stoff für den Katechismus ist die biblische Geschichte; 
sie muß also Ausgangspunkt für ihn sein. Bei ihrer unterrichtlichen Behand 
lung suche man stets die darin liegenden Heilswahrheiten hervorzuheben und so 
allmählich in der Seele des Kindes den Katechismus aufzubauen. Letzterer wird 
auf diese Weise organisches Glied der biblischen Geschichte. 
Der Katechismus ist aber noch mehr als eine bloße Sammlung von 
Glaubensvorschriften; er will auch den Inhalt des christlichen Lebens darstellen, er 
drückt das persönliche Glaubensbekenntnis des Christen aus. Das Kind soll im Kate 
chismusunterricht nicht bloß kirchliche Begriffe verstehen lernen, es soll ihm nicht 
etwa nur der Sinn eines Gebotes klar gemacht werden, sondern es soll auch 
sprechen lernen: „Ich glaube, daß Gott (Jesus) mich erlöset, daß er mir die 
Sünde reichlich vergibt (und nicht bloß: Gott nimmt die reumütigen Sünder an, 
vergibt ihnen die Missetat). Wie kann der Katechismus aber christliches Leben 
verständlich machen? 
Das Christentum lebt nicht in abstrakten Lehrdarstellungen, wie sie der 
Katechismus enthält, sondern in Personen! Darum müssen die Katechumenen in 
ihnen lebendige und wirksame christliche Wahrheiten kennen lernen und folglich 
mit der heiligen Geschichte oder vielmehr mit ihren hervorragenden Personen be 
kannt gemacht, mit gläubigen Personen in Berührung gebracht iverden. An der 
Geschichte der Erzväter, des Moses, David, der Apostel u. a. lernen die Kinder 
die religiösen Grundwahrheiten von des Menschen Sünde und Elend, von Reue, 
Buße, Glauben, von Gottes großem Erbarmen, von seiner Gerechtigkeit usw. 
kennen. Alles aber konzentriert sich um Christus, denn er ist die Quelle alles 
christlichen Lebens. 
Indem wir mit dem Zögling das Leben der frommen Männer im Unter 
richt betrachten, findet dieses in seiner Seele einen Wiederhall und Nachhall. 
Ihr Leben, Tun macht auf ihn einen tiefen Eindruck; er fühlt das Gute, das
	        
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